Lächeln bis der Arzt kommt

Veröffentlicht: 24. Februar 2013 in Alle, Medien

Rezension von Peter Bierl’s Buch „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“ von Erich Sauer
http://www.ultimo-bielefeld.de/kr-buch/b-steine.htm

Hinter der ewigen anthroposophischen Freundlichkeit verbirgt sich ein eher finsteres Weltbild – bei den Steiner-Schülern sieht´s metaphysisch aus wie bei Wojtyla unterm Sofa.

Anthroposophen sind nette Menschen. Ihre „Waldorf“-Schulen sind kleine Elite-Tempel des Friedens, der Eintracht und musischen Besinnung. Erst mit dem Erstarken der Esoteriker-Szene im letzten Jahrzehnt fiel auf, daß Anthroposophie ja irgendwie auch eine Religion ist (die Anhänger reden von „Geisteswissenschaft“), die auf den Schriften und Reden des Österreicher Rudolf Steiner (1861-1925) fußt.
Dessen Wirken und Denken hat sich der Journalist Peter Bierl zur Brust genommen und in dem Buch Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister zusammengefaßt. Da lernen wir: Es gibt kaum eine Dummheit, die Rudolf Steiner nicht gedacht oder geschrieben hätte. Er war Rassist, Esoteriker, Prophet, Exeget, mischte einen Haufen bestehender Lehren zu einer „wissenschaftlichen Weltsicht“ zusammen und fand nebenbei heraus, daß der I. Weltkrieg eine Verschwörung gegen die „spirituelle Mission“ Deutschlands gewesen sei, angezettelt vor allem von den geldgeilen Engländern, den Jesuiten, Freimaurern, Juden – und der englischen Theosophin Annie Besant, Chefin einer Konkurrenz-Organisation im Biotop der Bekloppten.
Die „Rassen“ sind, laut Steiner, Ausdruck unseres karmischen Status: Während Indianer unter einem „früh verhärteten Leib“ leiden, Neger vor allem gut tanzen können und der Asiate seine innere Leere hinter einem unergründlichen Lächeln verbirgt, kann nur der weiße Mann zur spirituellen Weisheit aufsteigen. Neben Karma und Klimbim wird unser Schicksal durch die sieben „Wurzelrassen“ bestimmt. Die sind keine Erfindung Steiners (was er nicht zugibt) und zerfallen in sieben Unterrassen, alle beladen mit einer Mission. Von 1415 bis 3573 ist die nordisch-germanische Rasse am Drücker.
Die Vorgänger-Wurzelrasse waren die Bewohner von Atlantis, wo sich 1 Millionen Jahre lang (!) Kultur ballte, die Autos fliegen konnten und die Menschen mit Gemüse heizten. Vorgänger der Atlantoiden waren die „Lemurier“, die den Willen entwickelten und ihre Kinder gerne mit spitzen Gegenständen durchbohrten. Direkt nach den Atlantoiden kommen die Arier. Die repräsentieren endlich die überlegene weiße Rasse, wohingegen Neger „alle Wärme des Weltalls“ im Rückenmark (!) ansammeln, deshalb inwendig „gekocht“ werden und daher ein starkes Triebleben haben – ehrlich war!
Daß vor allem die Nazi-Zeit so danebenging – von den Steiner-Jüngern erst freudig begrüßt, nach ´45 aber wegen „mangelnder Spiritualität“ verdammt – lag am fehlenden Schutzengel. Wo ansonsten der Erzengel Michael den Deutschen voranschreitet und inzwischen, so „aufgeklärte“ Steiner-Jünger, an einer Überwindung des Rassismus arbeitet, muß um ’33 einen Sonnendämon namens Sarot tätig geworden sein, der nur alle 666 auftaucht, dann aber heftig, und zusammen mit Luzifer und dem anthroposophischen bösen Dauer-Brenner Ahriman hat der die Deutschen verführt.
Es gibt vieles im Steiner-Universum (und den Waldorf-Schulen), was es nicht geben darf: Computer etwa (Binär-Logik ist die Domäne von Dämon Ahriman), Fußball (spirituell unrein), Sport (macht geistig müde), Comics (teuflisch), Jazz (entartet), Techno (Vorbote der Apokalypse), Sex, Lego und „Rassenschande“ (bringt das Karma durcheinander).
Die Anthroposophie ist eine Sekte wie Scientology: Straff organisiert, mit menschenfeindlichem Weltbild ausgestattet (Behinderte sind zurecht behindert, der Holocaust hat die Juden von ihrem bösen Karma erlöst) und einem aggressiven Elite-Bewußtsein. Nur die Weltherrschaft wird nicht angestrebt. Weil der wahre Wille und die wahre Macht sich eh‘ nur spirituell ausdrücken, und viel wichtiger ist, wer später mal an Gottes Fußbänkchen sitzen darf. Als Sekte sind die Steiner-Fans erstaunlich unaggressiv und von enervierender Güte; das ändert nichts daran, daß sie einem Lehrer folgen, dessen Geisteszustand ziemlich durchgehend gaga gewesen sein muß.

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Kommentare
  1. kozy sagt:

    Danke für diesen Beitrag!

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