Kindersprechstunde

Veröffentlicht: 25. Februar 2013 in Alle, Anthroposophische Medizin

gloeckler2Frau Dr. Michaela Glöckler ist Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum und damit eine zentrale Person in der Anthroposophischen Medizin. Ihr Buch „Kindersprechstunde: Ein medizinisch-pädagogischer Ratgeber. Erkrankungen – Bedingungen gesunder Entwicklung – Erziehungsfragen aus ärztlicher Sicht„, welches sie zusammen mit Wolfgang Goebel geschrieben hat, behandelt neben medizinischen auch Ernährungs- und Erziehungsfragen.

Auf den ersten Blick kommt das Buch harmlos daher und wirkt wie ein informativer fachmedizinischer Ratgeber. Doch nach wenigen Seiten wird klar, dass es durchzogen ist mit krudesten anthroposophischen Vorstellungen. So soll die gute Mutter bis mindestens zum Schulalter zu Hause bleiben und ihre Bedürfnisse auf eine Viertelstunde Gitarrenspiel am Tag beschränken. Die bösen Kartoffeln werden für den Werteverfall verantwortlich gemacht. Gähn! Doch im pädagogischen Teil wirds dann handgreiflicher. Zum Thema „Schlafstörungen“ schreiben die Autoren, man solle die Kinderzimmertüre schliessen und das Kind schreien lassen. Weiter wird ausgeführt:

„Es hat auch keinen Sinn, die Tür zu schliessen, wenn das Kind sie alleine aufmachen kann. Man muss mit Bedacht zuschliessen oder einen Besenstiel für die Türklinke bereithalten.“ (S. 508 f.)

Derlei sadistische Anleitungen in einem „medizinisch-pädagogischen Ratgeber“? Den Willen des Kindes brechen und es gefügig machen für unnahbare Autoritäten? Hatten wir das nicht schon einmal?

Primär interessiert an einem Ratgeber wie der „Kindersprechstunde“ jedoch die medizinische Seite. Hierzu wird der geneigte Leser zuerst in die tiefere Bedeutung der Krankheiten eingeweiht. So kann man im Kapitel „Vom Sinn der Krankheit“ ab Seite 173 etwa folgendes lesen:

Im Unterschied zum Menschen ist es dem Tier nicht möglich, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu sammeln, die sein Lebens bereichern und ihm eine neue Entwicklungsrichtung weisen können. … Der Mensch hingegen kann immer „noch menschlicher“ werden und sich zeitlebens weiterentwickeln. Dabei sind ihm Schmerz und Tod weckende Begleiter. … Insbesondere in der Kindheit geht es darum, wie sich das seelisch-geistige Wesen des Kindes in seinem Körper „inkarniert“ und sich darin „zu Hause“ fühlen lernt.

Dabei sind ihm Schmerz und Tod weckende Begleiter? Hä? Ein wesentlicher Kern der Anthroposophischen Medizin ist die Karmalehre. Moralische Verfehlungen in früheren Leben bewirken Krankheit und Behinderung im jetzigen, gegen die der anthroposophische Arzt nicht „anheilen“ kann. Deshalb kann man weiter lesen:

Die wesentliche Frage ist daher, auf welchem Wege sich die spezifische Anfälligkeit für eine bestimmte Krankheit bildet. Diese Frage hat Steiner geisteswissenschaftlich erforscht. Die diese Forschung auch das nachtodliche Leben und die Fragen nach der Wiederverkörperung und dem Schicksalsgang der Menschen mit einschließen, wird im Folgenden auch darauf Bezug genommen.

Rudolf Steiner beschreibt, wie der Mensch im Tode seinen physischen Leib ablegt, wie dann … sich der Lebensleib langsam ablöst. … Dann schließt sich die Herauslösung des Seelenleibes an …. Hier erlebt der Mensch noch einmal alles, was er während seines seelisch durchgemacht bzw. „angerichtet“  hat. Es geschieht dies jedoch jetzt so, dass er … alles dasjenige erfahren muss, was die anderen an ihm erlebt haben. … Die Erfahrungen der Läuterungszeit dienen nicht nur einer Objektivierung der vergangenen Seelenerlebnisse, sondern sind zugleich auch als Ausgangspunkt für die Schicksalsgestaltung im darauffolgenden Erdenleben. … Eine solche Art der Schicksalsbildung hat auch Konsequenzen für zukünftige Krankheitsanlagen. … In religiösen Überlieferungen wird diesbezüglich dieses nachtodliche Leben auch von „Gericht“ gesprochen, das als ein „Richtig“- oder „Zurecht-Sehen“ verstanden werden kann. Dieses neue Verständnis ist es, das sich einprägt und auf dem weiteren Weg zwischen dem Tod und einer neuen Geburt auch zu einer bestimmten Krankheitsveranlagung führen kann.

Voller Stolz wird im weiteren Text von einer Studie berichtet, nach der Waldorfschüler häufiger an Masern erkranken und weniger Antibiotika verabreicht bekommen. Schliesslich sind Krankheiten ja eine feine Sache:

Aufgabe von Medizin und Pädagogik ist es, Bedingungen zu schaffen für eine möglichst gesunde Inkarnation. Dabei spielen die sogenannten Kinderkrankheiten eine wichtige Rolle. Sie helfen, bestimmte Bereiche des Körpers physiologisch „durchzuarbeiten“ und eingehender zu „individualisieren“. Damit wird das Zusammenspiel der Wesensglieder und ihre Gesetzeszusammenhänge neu angeregt und in unterschiedlicher Weise impulsiert.

Endsprechend liebevoll erfolgt dann die blumige Beschreibung eines keuchhustenden Kindes:

Beim Keuchhusten dagegen werden in erster Linie die Atmungsorgane und deren Funktion neu erobert und die astralische Organisation zum verstärkten Eingreifen veranlasst.  … Wie sieht ein typischer Keuchhustenanfall aus? Das Kind holt zwischen den Hustenstößen keine Luft mehr … Dabei wird die Zunge rührenförmig um den Luftstrom gestreckt da Gesicht schwillt an und verfärbt sich bläulich. Nach einigen Sekunden, die den besorgten Zuhörern immer viel zu lange werden, kommt dann eine lange, ziehend-juchzende Einatmung zwischen den verkrampften Stimmritzen zustande. … Bei sonst gesunden Kindern haben wir sogar schon jenseits des dritten Monats oft auf Antibiotikavorsorge verzichten können. … Die Gabe von Antibiotka ist allenfalls bei geschwächten Kindern während einer zusätzlichen Lungenentzündung oder zur Verhütung der Ansteckung eines Säuglings angezeigt.

Laut Michaela Glöckler bewirkt egoistisches Erwerbsstreben eine Disposition zu Infektionskrankheiten im nächsten Leben:

Die Krankheit bringt ins Bild, was heute weltweit zu lernen ist, wenn es einen entschiedenen Kulturfortschritt geben soll. Die von der Krankheit Betroffenen bringen körpersprachlich zum Ausdruck, was Aufgabe für uns alle ist: an der Überwindung des Egoismus zu arbeiten. So gesehen sind AIDS-Kranke “Stellvertreter” für uns alle. AIDS ist eine Stellvertreter-Krankheit. Wer sie durchleidet, erlebt auf körperlicher Ebene die Überwindung des Egoismus, d. h. das Wesen der Selbstlosigkeit. Er lernt körperlich und damit unbewusst und gleichsam gezwungenermassen, was aus freien Stücken zu lernen eine heutige Kulturaufgabe ist. Für den AIDS-Patienten, der an dieser Krankheit verstirbt, bedeutet dies, dass er zumindest auf biologisch-körperlicher Ebene, d. h. im unbewussten Erlebnisbereich der Seele, dem für die heutige Menschheit wichtigsten Ideal nahe gekommen ist: der Selbstlosigkeit. So wird er diese Fähigkeit im folgenden Erdenleben unbewusst-instinktiv als Veranlagung haben und damit zu einer altruistischen Lebenseinstellung und einem grossen Interesse für die Weltverhältnisse disponiert sein.“

Toll, wer an AIDS erkrankt ist, kommt auf biologisch-körperlicher Ebene seiner Selbstlosigkeit näher, gezwungenermassen. Im von ihr herausgegebenen Buch “Anthroposophische Medizin” (Verlag Freies Geistesleben, 1993, S. 27/28), schreibt sie:

Rudolf Steiners bedeutendste Leistung war es, zu der blossen Annahme von wiederholten Erdenleben, wie sie von vielen Menschen geteilt wird (z. B. Goethe, Lessing, Friedrich der Grosse, Stefan Zweig, Wilhelm Busch), mit Hilfe seiner Geistesforschung zu einer umfassenden Darstellung der Gesetzmässigkeit zu kommen, nach denen sich die wiederholten Erdenleben vollziehen. Erst die Kenntnis dieser Gesetzmässigkeiten macht ein vollbewusstes Mitarbeiten am Krankheitsschicksal möglich.“

In ihrem Buch “Begabung und Behinderung” (Verlag Freies Geistesleben, 2004) schreibt Michaela Glöckler auf Seite 49/50:

“Entsprechend prägt sich im heutigen physischen Leib ab, was als Ätherleib im vorigen Erdenleben erlebt hat und in diesem wiederum, was den Astralleib im vorigen Leben bewegte. Angesichts dieser Gesetzmässigkeit, dass im nächst niederen Wesensglied die Arbeitsergebnisse des nächsthöheren aufgenommen und ins unbewusste Körperleben integriert werden, wird auch verständlich, warum es nur begrenzt sinnvoll ist, die Ursachen für Krankheiten und Behinderungen in diesem einen Erdenleben beziehungsweise allein in Konstitution, Vererbung und Umwelt zu suchen. Ihren wirklichen Grund haben sie in längst vergangenen Erdenleben, ja, was den physischen Leib betrifft, reichen sie in das vierte vorige Leben zurück.”

Und auf Seite 71:

“Neid, auch maskierter Neid, der sich im Hang zu kritisieren darlebt” bewirkt im “späteren Leben seelische Schwäche, Unselbständigkeit und die Neigung, sich immer häufiger rat bei anderen zu suchen; konstitutionelle Schwäche im nächsten Leben.” …
“Neigung zur Lügenhaftigkeit bewirkt im späteren Leben, dass man anderen Menschen nicht mehr unmittelbar in die Augen schauen kann. Im nächsten Leben hat man es schwerer, zu seiner Umgebung in ein gutes Verhältnis zu kommen. Man leidet darunter, nicht verstanden zu werden…Disposition, dass die Organfunktionen weniger aufeinander angestimmt sind.”

Seite 74:

“Kein Interesse an den Himmelsvorgängen, insbesondere an den Sternen” bewirkt nach Wiedergeburt “Bindegewebeschwäche, schlaffer Körperbau”.
“Kein Interesse an Musik” führt in einem nächsten Leben zu “Asthma, Neigung zu Lungenkrankheiten”.

Seite 76:

“Egoistischer Erwerbssinn” bewirkt “Disposition zu Infektionskrankheiten im nächsten Leben”

Seite 77:

“Gewohnheitsmässiges egoistisches Handeln disponiert im nächsten Leben zu frühem Altern”

In einem Artikel zur Infektionskrankheit Sars schreibt Michaela Glöckler in der Publikation „Das Goetheanum 20/2003“:

“Was hier für den Zusammenhang von Gesundheit und Krankheit in ein und demselben Erdenleben erforscht worden ist, gilt gemäss den Gesetzmässigkeiten von Reinkarnation und Karma auch von einem Leben zum nächsten beziehungsweise übernächsten.”

Im Steiner-Zitat, auf das Glöckler verweist, heisst es dann:

“…. Was Sie in diesem Leben wiederholt erleben, das kommt in Ihrem folgenden Leben als Grundcharakter. Ein melancholisches Temperament kommt daher, dass der Mensch im vorigen Leben viele traurige Eindrücke gehabt hat, die ihn immer wieder in eine traurige Stimmung versetzt haben; dadurch hat eben der nächste Ätherleib eine Neigung für eine traurige Stimmung. Umgekehrt ist es bei denen, die allem im Leben eine gute Seite abgewinnen, die dadurch in ihrem Astralleib Lust und Freude, frohe Erhebung erzeugt haben; das gibt im nächsten Leben eine bleibende Charaktereigenschaft des Ätherleibes und bewirkt ein heiteres Temperament. Wenn der Mensch aber, trotzdem ihn das Leben in eine harte Schule nimmt, all das Traurige kraftvoll überwindet, dann wird im nächsten Leben sein Ätherleib geboren mit einem cholerischen Temperament. Man kann also, wenn man all das weiss, geradezu sich seinen Ätherleib für das nächste Leben vorbereiten. Diejenigen Eigenschaften nun, die der Ätherleib in dem einen Leben hat, die erscheinen im nächsten Leben im physischen Leib. Wenn also jemand schlechte Gewohnheiten und Charaktereigenschaften hat und nichts dagegen tut, sie sich abzugewöhnen, tritt das im nächsten Leben als eine Disposition des physischen Leibes auf, und das ist tatsächlich die Disposition zu Krankheiten. So sonderbar sich das auch für Sie anhören mag, aber diese Disposition für bestimmte Krankheiten, und besonders für Infektionskrankheiten, rührt tatsächlich her von schlechten Gewohnheiten im vorhergehenden Leben.”
Aus: Rudolf Steiner: Menschheitsentwicklung und Christus-Erkenntnis (GA 100), Vortrag vom 22. Juni 1907.

Ergänzend noch ein paar weitere Zitate von Rudolf Steiner zu medizinischen Themen.

“Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, dass der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben……Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbstheilung, welche dabei vom Menschen angestrebt wird, wirkt die menschliche Individualität entgegen luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.”
(GA 120, S. 87, Vortrag von Rudolf Steiner “Heilung und Unheilbarkeit von Krankheiten in Beziehung zu Karma”)

“Und da zeigt die Geisteswissenschaft, dass ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, dass ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweitnächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. – So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.”
(GA Bd 120, Seite 74, Vortrag “Krankheit und Gesundheit in Beziehung zu Karma”)

 

Stellen Sie sich vor, Sie gingen mit ihrem Kind zu einem anthroposophischen Kinderarzt. Sie erwarten, dass dieser ihr Kind nach alles Regeln der Kunst behandelt und vertrauen ihm. Der Arzt erzählt Ihnen, dass es aus diesen oder jenen Gründen problematisch sei, das Kind zu impfen. Vielleicht führt er etwas über Impfschäden aus oder erzählt ihnen etwas von der Harmlosigkeit der Krankheit, gegen die geimpft werden soll. Von möglichen Allergien. Sie glauben ihm, denn er ist Arzt. Hätten Sie ihm auch geglaubt, wenn er gesagt hätte:

„Ich bin Anthroposoph. Für Anthroposophen sind Krankheiten die Erfüllung des Karmas. Man muss ausreichend krank werden, deswegen lassen Sie mal die Schutzimpfungen bei Ihrem Kind weg, sonst bringen wir dessen Äther-, Astral-, und Ich-Leiber durcheinander. Lesen Sie doch bitte das Buch „Kindersprechstunde“ von Michaela Glöckler und Wolfgang Goebel. Da steht drin, wie das mit dem nächsten Leben, der Wiedergeburt und dem Karma ist, falls Ihr Kind an einer Kinderkrankheit verstirbt, gegen die wir jetzt nicht impfen.“

Ich vermute, sie hätten ihr Kind am Arm genommen und wären aus der Praxis geflüchtet. Das ist der Grund, warum die Arbeit der Anthroposophen heimlich ist, geheimwissenschaftlich eben. Um sich bei „Uneingeweihten“ möglichst einfach zu verbreiten, werden die wahren Absichten getarnt. Man darf nicht erkennen, dass es sich um eine okkulte Weltanschauung (um das Wort Sekte nicht zu verwenden) handelt.

Anthroposophen öffnen sich zunehmend den neuen Medien, so auch Frau Dr. Glöckler in ihrem youtube-Clip „Ich im Netz – Michaela Gloeckler„. Sie schwadroniert darin über Arbeitslosigkeit und Freiheit:
„Arbeitslosigkeit, was ist sie anderes als dass heute schon Millionen Menschen frei sind den ganzen Tag zu machen was sie wollen?“

In diesem Sinne wünsche ich Frau Glöckler und allen anthroposophischen Ärzten von ganzem Herzen viel Freiheit!

http://www.youtube.com/watch?v=BCejx5NjHlw

Kommentare
  1. […] (zitiert von rudolfsteinerblog aus einem Ratgeber, der Text steht etwa in der Mitte des Artikels) Muss ich mich also schlecht fühlen, wenn ich nicht entspannt zuschaue, wie mein Kind so […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s